Berichte
Lebenslauf der Diema DFL30/1.7



Wir nehmen Sie mit auf einen Ausflug ins Jahr 1979 zu den Anfängen unserer Diema und hoffen, dass wir Sie auf eine spannende Reise entführen. Die Lok wurde 1979 als Streckenlok gekauft um die Feldbahn zu verstärken und die O&K Loks, die bis dahin diese Aufgabe hatten, zu entlasten. Mit dem Kauf wurde auch eine Erhöhung der Transportkapazität angestrebt. Die Lok sollte schneller sein als die bisherigen und dem doch recht schweren Zug mit sieben Loren auch Herr werden.
Nachdem der Preis für O&K Loks schon recht hoch war, suchte man nach anderen, preiswerteren Alternativen. So wurde eine Offerte von der RUBAG AG Basel eingeholt, welche in ihrem Lieferprogramm die Diema-Loks aus Bremen anbot. Die Offerte für die Diema mit 47 PS, Hydrostatischem Antrieb, Fahrerhaus in 75er Spurweite und einem Betriebsgewicht von 5 Tonnen lag bei 58‘200 Fr.
Die Richtpreise bei MBA Dübendorf für eine vergleichbare O&K Lok mit Hydrostatischem Antrieb, 54 PS und 6 Tonnen Betriebsgewicht lag bei 86‘000 Fr. Da damals schon ein Ende des Bahnbetriebs absehbar war, achtete man genau auf den Kaufpreis und man entschloss sich. die offerierte Diema bei RUBAG zu bestellen. Nach der Offerte vom 3 Juli wurde am 13. Juli der Kaufvertrag unterzeichnet. Anfang November 1979 kam die Lok dann in die Ziegelei und ging umgehend in Betrieb.



Anfang 70er Jahre hatte man von der IRR sechs Stück grosse 2qm-Loren gekauft. Dazu war die Diema nun das ideale Zugpferd. Mit den fünf Tonnen Gewicht und ihrer Geschwindigkeit von 15 Km/h wurde die Kapazität der Bahn merklich erhöht. Viele Jahre hat die Diema ihren Dienst als Streckenlok zur Zufriedenheit der Ziegelei getan. Sie war auch nie in einen Unfall verwickelt worden, dieses Glück hatten auch nicht alle Loks in der Ziegelei. Doch für die Feldbahn zogen langsam dunkle Wolken auf, neue Vorschriften verlangten, dass alle Loren mit Bremsen ausgerüstet werden müssen. War doch der Bremsweg für einen Zug mit 12-15 Km/h recht lang. Die Loks waren mit ihren 4-5 Tonnen Dienstgewicht auch viel zu leicht für die Züge. Denn eine Lore wiegt im beladenen Zustand schnell einmal bis zu drei Tonnen. Im Gefälle zur Unterführung, wo die Hauptstrasse unterquert wurde, war die Lok dem Zug zu keiner Zeit Herr der Lage.
Für eine langfristige Weiterführung der Feldbahn hätte mal viel machen müssen, leider zu viel. Und so sah sich die Ziegelei um, was auf Dauer besser wäre. Für die vielen Erneuerungen an der Bahn, die man hätte machen müssen, war ein 4-Achser Lastwagen zu haben und da fällt der teure Trassenunterhalt weg. Es kam was kommen musste: Die Ziegelei kaufte einen neuen Volvo CH 230 8x4. So war sie für die nächsten Jahre was den Transport angeht, gerüstet.



Kurze Zeit existierte die Feldbahn noch für den Fall, dass mit dem Lastwagen ein Problem auftauchen sollte. Doch dieser bewährte sich und so kam es, dass unsere Diema den letzten Zug in Richtung Ziegelei ziehen durfte. Im Alter von nur gerade sechs Jahren wurde sie bereits wieder pensioniert.



Die Diema hatte die Ehre eine 96-jährige Ära zu beenden. Der letzte Zug ging leer in die Ziegelei zurück; der Grund dafür wird ein Rätsel bleiben. Anschliessend wurde die Strecke abgebrochen. Der Schützenverein Seewis hat sich noch an den Schienen bedient zwecks Hangabsicherung am Zielhang. Sie haben sogar noch selber Gleis abgebrochen und abtransportiert. Einige Loren in schlechtem Zustand wurden verschrottet, zwei Stück an Herr Mettler in Chur verkauft und die blaue Ruston-Lok wurde im Sommer zurück in den Gonzen nach Sargans verkauft. Doch die Feldbahn hatte nicht ganz ausgedient: Dem damaligen Chef der Ziegelei war sie ans Herz gewachsen und eine kleine werkinterne Transportaufgabe hatte die Bahn behalten können. Für die Calmo-Ziegelproduktion brauchte es die Bahn auch weiterhin. So blieb von einst 3,4 Kilometer ein Rest von 350 Meter erhalten. Im hinteren Teil der Ziegelei hat man dafür eine kleine Grube angelegt. Der Lehm kam dafür extra aus dem Thurgau angeliefert. Calmoziegel sind speziell isolierende Ziegel und dafür ist der Lehm aus Igis nicht geeignet. Es gab einige Zeit auch Pläne die Feldbahn hier durch Lastwagen zu ersetzen, doch der hintere Teil der Ziegelei war zu schmal für und die Abladehalle zu niedrig für den LKW-Betrieb. Diese Umstände haben relevant dazu beigetragen, dass die Bahn erhalten bleib.



An die Calmo-Fahrten der Bahn können auch wir beide uns noch erinnern. Diese Aufgabe hat der Diema Lok noch für Jahre einige kleine Fahrten auf der verbliebenen Reststrecke beschert. In diesem Zusammenhang sind auch die Züge kürzer geworden, mehrerer Bilder zeigen, dass hier nur noch 2-3 Loren pro Zug gebraucht wurden. Ab und zu kamen auch Feldbahnfans in die Ziegelei. Sie machten Bilder von der Bahn in Betrieb für die Nachwelt, und so durfte die Diema auch einfach mal für einige Bilder auf die Strecke.



Zum Glück gab es damals schon Leute wie Tibert Keller oder Hermi Rüegg, die die Bahn auf Bilder festgehalten haben.Mit solchen Bilder lassen sich heute gute Berichte über das Geschehen machen. Bis am 28 Mai 2003, also 18 Jahre tat die Diema noch ihren Dienst als Werkslok. Danach stellte man die Calmoproduktion ein, da diese mittlerweile zu teuer geworden war. Dann wurde die Diema abgestellt und vergessen. Selten kam noch jemand, der sich für die Bahn interessiert hat und die ganze Anlage verfiel für Jahre in den Dornröschenschlaf. Draussen wucherten Bäume und Sträucher auf dem Trasse und die Loren wurden von Dornen überwachsen.



Im Jahr 2011 verirrte sich wieder ein Bahnfan in die Ziegelei und erhält von der Ziegelei die Bewilligung, die Bahn in ihrem Zustand als Hobby zu betreiben. Mit nun 32 Jahren startet die Diema ihr zweites Leben als Oldtimerlok auf der Bahn und dient nun zum Unterhalt der verbliebenen Strecke. Alles Mögliche wird nun damit transportiert: Gras, Baumstämme und Sträucher, die im Gleis während des Stillstandes gewachsen sind, aber auch die kaputten Schienen am Ende der Strecke. Werkzeug, Holzbalken, Schotter für das neugebaute Gleis, Ersatzteile oder Loren die mit Aushub beladen, einzig Lehmzüge fahren keine mehr.



Die Einsätze sind nicht mehr so streng wie früher. Es eilt nicht mehr und auch das Gewicht der Züge ist meist gering und so macht die Diema nicht mehr so viele Stunden wie früher. In drei Jahren Betrieb hat sie nun 180 Betriebsstunden gemacht. Auch einen Service hat sie bekommen damit sie hoffentlich noch lange unterwegs ist.



Das neue Öl verhindert das vorzeitige Altern der Lok durch unnötige Abnutzung. Auch einige Reparaturen haben wir vorgenommen, die Lok ist aber auch im hohen Alter noch gut im Stand. Selbst bei Minusgraden läuft der Motor ohne Vorglühen an. Für eine umfassende Reinigung der Lok müsste sie aber weg von der Ziegelei auf einen Waschplatz.



Unsere Diema ist übrigens auch die letzte von RUBAG in der Schweiz verkaufte Lok gewesen, 1979 war die Zeit von Feldbahnen bereits vorbei. Wer musste, kaufte Occ.asionsloks, die wohl genügend vorhanden gewesen sind. Stapler, Lastwagen und Dumper traten an Stelle der Feldbahnen für den innerbetrieblichen Transport. Waren die neuen Geräte doch viel einfache,r sicherer, effizienter und kostengünstiger zu bedienen als eine Feldbahn.

In die heutige Zeit konnten sich leider nur ganz wenige Feld- und Werkbahnen retten, und so ist es nicht selbstverständlich, dass die Diema heute noch auf ihrer angestammten Bahnstrecke verkehren darf. Für den Betrieb der Feldbahn in Landquart wurde mindestens ein Lokführer ein Seilbaggerfahrer und einer zum Abladen im Werk benötigt. Heute macht das einer alleine.
FZL
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