Wir erhalten Kulturgut

 
Gleisbergung Rüthi

Herbst / Winter 2013

Text: Riccardo Keller
Fotos: Remo Hartmann und Riccardo Keller

Da unser Gleis die besten Tage leider hinter sich hat und die Schienen schon 100 Jahre alt sind, haben wir uns nach passendem Ersatz umgesehen. Schon vor längerer Zeit ist mir ein grosser Restposten im Steinbruch bei Rüthi SG aufgefallen, der schon vergessen schien. Es sind grosse Joche mit S 18er-Schienen und Blechschwellen in passender Spurweite. Also habe ich bei der Internationalen Rheinregulierung (IRR) angefragt, ob wir für unsere Strecke etwas davon haben können.

Nach einem Treffen vor Ort waren wir uns mit der IRR einig und konnten soviel abholen wie wir brauchten. Die IRR schenkt uns freundlicherweise das Gleis, da es so oder so hätte verschrottet werden sollen. Da wir uns leider einen Transport der Schienen nach Landquart nicht leisten konnten, blieb nur noch, die Schienen auf die Länge von unserem Saurer-Kipper zu verkürzen. Im Oktober konnten wir dann mit dem Bergen beginnen, zum Heben haben wir gleich den Saurer mit dem Kran geholt, um jedes Joch vom Stapel auf den Boden zu stellen.

Einige Fahrten in unser Lager geschahen auf diese Weise, doch wir mussten leider feststellen, dass dies zu lange dauern wird bis alles Material abtransportiert ist. Die meiste Zeit war Remo auch alleine dran, da Riccardo in Interlaken eine spezifische Ausbildung auf Dampflokomotiven macht und der Steinbruch nur unter der Woche geöffnet hat.

Um eine grössere Menge auf den Saurer laden zu können, mussten wir die Schwellenschrauben auch noch durchschneiden und die Schienen und Schwellen einzeln auf die Brücke laden. Auf diese Weise liessen sich die Fahrten mit dem Lastwagen mehr als halbieren. Das Zerlegen dauerte nicht viel länger. Im Gegenteil: auch hier macht Übung den Meister und wir wurden immer schneller. Die Stapel mit den Jochen waren am Anfang fast drei Meter hoch. Doch sie verloren schnell an Höhe. Tag für Tag verbrachte vor allem Remo im Steinbruch von morgens bis abends. Dazwischen 10 Minuten Pause zum Essen. Dann ging es gleich wieder weiter.

Die Schienen im Hintergrund müssen wir zurücklassen, dafür reicht die Zeit leider nicht mehr. Aber uns geht es auch mehr um die Schwellen. Schienen bekommen wir – falls nötig – auch später noch. Die 4-Meter Schienen können wir noch verwerten als Passtücke oder für den Weichenbau.

Dies ist bisher unsere grösste Bergung gewesen, aber auch diejenige, die am meisten Bedeutung für uns hatte. Die IRR-Schwellen sind mit 1,50 Meter breiter als unsere in der Ziegelei. Die Trasse wird so stabiler werden. Zum Schluss haben wir uns dann doch noch einen Tiefgänger gegönnt, um eine Fuhre mit Jochen in 9-Meter-Länge nach Hause zu holen. Gefunden bei der Garage Kobelt in Marbach.

Ärgerlich war, dass der Tiefgänger leider von Luft- auf Ölbremsen umgerüstet wurde, so mussten wir nach dem Beladen noch einen Traktor mieten. Unser Bührer hat keine Ölbremse, und mit dem Saurer einen ungebremsten Anhänger nach Hause zu ziehen wäre unverantwortlich gewesen.

Der Vorher/Nachher-Effekt ist durchaus gegeben, der zeigt sich auch in unserem Lager: Zwei beachtliche Stapel Schwellen haben sich angehäuft und überall liegen Schienen herum. Seit September waren wir nun mit dieser Bergung beschäftigt. Am 28. Januar 2014 war es geschafft und das Team (vor allem aber Remo 😉) war auch einmal mehr «geschafft», aber überglücklich, dass wir nun die dringend benötigten Ersatzteile hatten.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herr Anrig, Herr Köppel und Herr Dietsche von der IRR für ihr Entgegenkommen, es hat uns sehr gefreut, dass wir das Gleis geschenkt bekommen haben. Ein herzliches Dankeschön geht an unseren Helfer Christian Filli, der immer wieder zum Beladen und Transportieren da war. Ebenfalls ein Dankeschön an Curdin für seine Einsätze mit dem Saurer und an Hitsch Kobelt für den Kransaurer und den Tiefgänger.


















Verein historische Feldbahn Ziegelei Landquart (VFZL)